Industriestrategie Österreich 2035 - Automatisierte Mobilität
© Huger / AustriaTech
AustriaTech AustriaTech auf Facebook AustriaTech auf Twitter AustriaTech auf LinkedIn AustriaTech auf Xing AustriaTech auf YouTube

Modellregion gibt automatisierter Mobilität neuen Impuls

Industriestrategie Österreich 2035

21.01.2026

Automatisierte Mobilität gilt als zentrales Zukunftsfeld der österreichischen Industrie. Wie die geplante Modellregion Innovation, Skalierung und Marktreife fördern und welche Erkenntnisse aktuelle Studien liefern, beleuchtet Aggelos Soteropoulos, Senior Expert Automated Mobility bei AustriaTech.

 

Mit der am 16. Jänner veröffentlichten Industriestrategie Österreich 2035 hat die Bundesregierung eine Vision für die Zukunft und einen Plan für die sozial gerechte und ökologische Transformation der österreichischen Industrie vorlegt. Die Strategie zielt dabei auf sechs zentrale Ziele ab: 1) Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, 2) Weiterentwicklung wirtschaftlicher Souveränität in und mit Europa, 3) Erhöhung der Leistungsfähigkeit und Innovationskraft, 4) Ausbau wirtschaftlicher Resilienz, 5) Stärkung nachhaltiger und zirkulärer Produktion sowie 6) Entwicklung des Fachkräftepotenzials.

 

Mobilitätstechnologien als eines von neun Stärkefeldern bzw. Schlüsseltechnologien

Mobilitätstechnologien werden dabei in der Industriestrategie als eines von neun zentralen Stärkefeldern bzw. Schlüsseltechnologien für Österreich angeführt. Neben vernetzten Verkehrssystemen, emissionsarmen Antrieben oder Fahrzeugleichtbau umfassen dieses Stärkerfeld auch automatisierte Fahrzeuge, wobei Automatisierte Mobilität als zentrales Zukunftsfeld für Wertschöpfung, Innovation und wirtschaftliche Resilienz gesehen wird.

Die Schaffung einer Modellregion für automatisierte Mobilität ist dabei eine wesentliche Maßnahme im Bereich des Stärkefelds Mobilitätstechnologien.

 

Modellregion für automatisierte Mobilität

Die Modellregion für automatisierte Mobilität soll es ermöglichen diese im Alltagsverkehr sinnvoll einzusetzen und real zu testen. Durch einen realen, öffentlich sichtbaren und technologisch führenden Showcase mit Fokus auf Personen- und Güterverkehr soll österreichische Lösungs- und Technologiekompetenz demonstriert werden. Zusätzlich soll ein Implementierungsprogramm für automatisierte Mobilität die Skalierung und Umsetzung in Österreich ermöglichen.

 

Modellregionen als Sprungbrett für Praxis, Skalierung und Marktreife

Die Schaffung einer Modellregion kann dabei als wichtiger Schritt und Sprungbrett für automatisierte Mobilität und deren Skalierung in Österreich gesehen werden, insbesondere für die Entwicklung marktfähiger und skalierbarer Produkte und Services sowie für die Beschleunigung des Markthochlaufs. Speziell die Bündelung von Ressourcen, ein nur einmaliger Aufbau sowie die breite Nutzung von infrastrukturellen Kapazitäten schafft den Übergang von aktuellen Einzelprojekten in den alltäglichen Betrieb und die Skalierung. Eine Modellregion für automatisierte Mobilität ergänzt damit auch die in Österreich bereits gesetzten und aktuellen Aktivitäten für das Testen und die Skalierung automatisierter Mobilität wie die Einrichtung von Testumgebungen, den Aufbau der Strategischen Allianz Automatisierte Mobilität, die Schaffung von notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen oder das Leitprojekt zu automatisierten Bussen im öffentlichen Verkehr.

 

Kompetenzen aufbauen und internationale Kooperation fördern

Die Schaffung einer Modellregion kann ebenso neue Entwicklungsspielräume für die Industrie in Österreich ermöglichen, wichtig ist jedoch eine breite Abdeckung aller notwendigen Technologie- und Lösungsbausteine, der Aufbau bzw. die Etablierung von Schlüsselkompetenzen (z.B. Testing & Validation, Digitale Infrastruktur/C-ITS) sowie auch zusätzlich die Verknüpfung mit entsprechenden Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen in der Mobilitätsindustrie. Neben dem in der Industriestrategie vorgesehenen zusätzlichen Implementierungsprogramm für Automatisierte Mobilität mit entsprechenden Investitionsmechanismen und getragen von Schlüsselakteuren im Bereich automatisierter Mobilität in Österreich wird zukünftig auch eine starke Kooperation mit internationalen bzw. europäischen Schlüsselakteuren für die Skalierung automatisierter Mobilität sowie die internationale bzw. EU-weite Positionierung österreichischer Lösungs- und Technologiekompetenz von Wichtigkeit sein.

 

Aktuelle Studien im Bereich Automatisierter Mobilität

Im Zusammenhang mit der Schaffung einer Modellregion für automatisierte Mobilität sowie für die weitere Skalierung automatisierter Mobilität ist ebenso ein klarer Blick auf zukünftige Szenarien automatisierter Mobilität und ihren Wirkungen auf die Mobilität sowie auch Finanzierungsaspekte und Investitionsbedarfe von Relevanz.

Eine kürzlich durch die DB Regio gemeinsam mit anderen Partner:innen veröffentlichte Studie bietet nun erstmals Einblicke in die Wirkungen des Einsatzes automatisierter Shuttles und Busse für ganz Deutschland. Dabei zeigt die Studie, dass diese den größten Nutzen brächten, wenn sie in den ÖPNV integriert (z.B. als Zubringer zum Zug) und dieser zusätzlich ausgebaut wird. Eine solche, detaillierte Betrachtung wäre auch für Österreich interessant, darüber hinaus sind jedoch auch Überlegungen zu notwendigen Schritten hin zu wünschenswerten Szenarien in Österreich und dem Beitrag österreichischer Akteure im Sinne lokaler Wertschöpfung essentiell.

Der öffentliche Verkehrsbetreiber Ruter in Oslo, Norwegen veröffentlichte kürzlich ein Whitepaper hinsichtlich der potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen von geteilten automatisierten Fahrzeugen. Anhand eines ersten Einsatzszenarios von 500 geteilten automatisierten Fahrzeugen in Oslo beschreiben sie die Kosten sowie Einnahmen beim Betrieb und der Skalierung einer solchen Fahrzeugflotte über einen Zeitraum von zehn Jahren. Dabei wird ersichtlich, dass die Skalierung solcher Systeme wirtschaftlich zwar eine Herausforderung darstellt, aber durchaus realisierbar ist: Speziell in der Anfangsphase sind zwar hohe Kosten zu erwarten (und über den betrachteten 10-Jahreszeitraum werden insgesamt knapp 560 Millionen € benötigt), doch durch Skalierungseffekte kann der Preis pro zurückgelegtem Personenkilometer auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt werden.

 

Ein Beitrag von Aggelos Soteropoulos, Senior Expert Automated Mobility, AustriaTech