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Wohnen und Mobilität in Smart Cities

07.08.2019

Am 10.09.2019 richtet die Wirtschaftsagentur mit Unterstützung von AustriaTech den Business Treff "Mobilität & Wohnen" aus. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird die von AustriaTech erstellte Publikation zum Thema vorgestellt. Einen Vorgeschmack darauf liefert folgendes Interview, welches in Kurzversion auch in der Publikation erscheinen wird. 

Gerald Franz ist Ökonom und seit mehr als 10 Jahren im Bereich der nachhaltigen Mobilität tätig. Im Energy Center bei Urban Innovation Vienna beschäftigt er sich seit 2,5 Jahren als Senior Expert mit dem Thema Mobilitätsmanagement in Stadtentwicklungsgebieten. Im Interview erklärt er den Zusammenhang von Mobilität und Wohnung in einer Smart City und vor welchen Herausforderungen und Potenzialen wir stehen. 
 Gerald Franz ©Urban Innovation Vienna

Herr Franz, wie wird Wohnen und Mobilität in einer Smart City gedacht? Welche Überschneidungen zu anderen Sektoren und Lebensbereichen gibt es?

In einer smarten Stadt sind die täglichen Wege kurz und einfach zurückzulegen. Der Wohnort spielt dabei eine zentrale Rolle, denn mehr als dreiviertel aller Wege starten und enden zu Hause. Umso wichtiger ist es, dass Wohngebiete hervorragend mit öffentlichem Verkehr erschlossen sind. Dieser sollte das Rückgrat der Verkehrsinfrastruktur einer Stadt bilden. Zwischen der eigenen Wohnung und der Haltestelle (sei es U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn, Bus) liegt die berühmte „letzte Meile“, die in dichten Städten meist kürzer ist und ideal zu Fuß, mit dem Rad oder anderen Sharing Angeboten zurückgelegt werden kann. Dafür braucht es die entsprechende Infrastruktur, eine Gestaltung des öffentlichen Raums, die den Umweltverbund fördert sowie möglichst autofreie Quartiere an der Oberfläche. Dislozierte Sammelgaragen erschweren die Nutzung des eigenen PKW und fördern klimafreundliche, smarte Mobilität. Eine ebensolche Gestaltung neuer Quartier begünstigt auch das Stadtklima, verhindert Hitzeinseln durch mehr Grünräume. Betreiberunabhängige Paketboxen reduzieren Lieferverkehre. 

 

Welche Herausforderungen sehen Sie für Wohnen und Mobilität in einer Smart City?

Eine der größten Herausforderungen hinsichtlich Wohnen und Mobilität in wachsenden Städten ist der Platzbedarf des privaten PKW. Dieser Bedarf setzt sich aus Verkehrsflächen und Parkflächen im öffentlichen Raum zusammen und verhindert qualitätsvollen Raum, mit Grünflächen, Erholungsräumen, Orten des sozialen Miteinanders mit Aufenthaltsqualität. Ein Lösungsansatz wäre die Transformation des öffentlich Raumes z.B. durch die Schaffung von mehr Begegnungszonen, Reduktion des Parkens an der Oberfläche auf öffentlichen Flächen. Die zweite große Herausforderung ist die Reduktion aller Emissionen, die durch den motorisierten Individualverkehr erzeugt werden, insbesondere CO2 Emissionen. Hier gilt es möglichst alle Maßnahmen zu setzen um diese zu reduzieren. Neben dem Ansatz umweltfreundliche Angebote inklusive Sharing Mobility zu ermöglichen (möglichst gleich am Wohnort), sollte auch der verbleibende MIV-Anteil möglichst elektrifiziert werden. Die verstärkte Vermischung von Wohn- und Arbeitsstätten kann dies entschärfen, denn in gemischt genutzten Quartieren müssen nicht immer weite Wege zum Arbeitsort zurückgelegt werden Zudem werden sich auch Telearbeitsmodelle stärker durchsetzen. 

 

Was tragen Wohnen und Mobilität zur sozialen Inklusion innerhalb einer Smart City bei? Wo sehen Sie noch Potenziale? Welche sehen Sie als die effektivsten Möglichkeiten, um neue Technologien für möglichst alle Personen nutzbar und attraktiv zu gestalten?

Mobil zu sein ist ein menschliches Grundbedürfnis, muss daher für alle verfügbar und leistbar sein. Mobilitätsplanung ist Angebotsplanung und sollte dabei dennoch möglichst alle Interessen und Bedürfnisse berücksichtigen. Dabei können Befragungen von BewohnerInnen hilfreich sein. Oftmals fehlt es den Menschen an Vorstellungskraft, wie Mobilität anders organisiert sein könnte. Dazu kann die Aktivierung der Bewohnerschaft durch Vorbilder, „Kümmerer“, Baugruppen, „Aktivgruppen“ – das sind NutzerInnen, die sich aus der Hausgemeinschaft heraus als First-Mover um die Angebote kümmern, beitragen und eine höhere Akzeptanz schaffen. Partizipative Elemente zu breiten Diskussion neuer Mobilitätsangebote, spielerische Elemente zum besseren Kennenlernen erhöhen die Nutzungswahrscheinlichkeit enorm. Dazu braucht es auch eigene prozessorientierte Kompetenzen, um dieses „Nudging“ also Anstupsen der Nutzung neuer Mobilitätsdienste zu erklären und zu fördern. Beispiele zeigen, dass die ledigliche Zurverfügungstellung eines Carsharing-Autos in einer Wohnhausanlage, noch lange nicht zu einer Nutzung führt. Dazu muss der Boden erst aufbereitet werden. Quartiere, die auf sanfte Mobilität ausgerichtet sind, ermöglichen jedenfalls mehr soziales Miteinander, Begegnung und schaffen Lebensqualität. In autoorientierten Siedlungen wiederum, ist es schwer lebendige Erdgeschosszonen und qualitätsvolle öffentliche Räume zu schaffen. Der Wohnort ist mehr eine Insel als ein urbaner, integrierter Lebensraum. Ziel muss es aber sein, den Wohnort mehr als Ort des „Ankommens als des Wegfahrens“ zu konnotieren.

 

Welche Entwicklungen und Innovationen (Technologien, Tools, soziale Innovationen, etc.), werden sich in Zukunft Ihrer Meinung nach am meisten auf den Bereich Wohnen und Mobilität auswirken? Inwiefern?

Die Wohnkosten sind in den letzten Jahren signifikant gestiegen und getrieben durch hohe Baukosten wird es zu weiteren Anstiegen kommen. In Anbetracht leistbares aber qualitätsvolles Wohnen zu ermöglichen, werden neue Technologien und Innovationen eine wichtige Rolle spielen. Beispiele wären, weg zu kommen von der Schaffung teurer Garagenstellplätze hinzu alternativen, geteilten Mobilitätsangeboten, moderne Haustechniklösungen um Energiekosten einzusparen, intelligente Beschattungs- und Kühlungsmethoden etc. Bei all diesen Angeboten hat die Digitalisierung eine enorme Bedeutung, denn die genannten Maßnahmen sollten für alle BewohnerInnen nutzbar sein, leicht verständlich sein, online gesucht und gebucht werden können, flexible Nutzung ermöglichen und transparent und möglichst digital abgerechnet werden können. Dazu braucht es spezialisierte Anbieter / Dienstleister und vor allem intensive Einschulung und Bewusstseinsbildung der BewohnerInnen. Verhaltensänderungen sind am ehesten in Lebensumbruchsphasen, z.B. bei Umzügen zu erzielen.

 

Vielen Dank für das Interview. 

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