Fahrassistenzsysteme können die Verkehrssicherheit deutlich erhöhen
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Fahrassistenzsysteme können die Verkehrssicherheit deutlich erhöhen

Studie für den Verkehrssicherheitsfond zeigt potenziellen Nutzen und notwendige Voraussetzungen

28.07.2026

Die zunehmende Automatisierung der Mobilität bietet großes Potenzial, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Damit beschäftigte sich AustriaTech in dem vom österreichischen Verkehrssicherheitsfonds (VSF) beauftragten Projekt „Verkehrssicherheit und Automatisierte Mobilität M7174“. Es setzte Maßnahmen des „Aktionspakets Automatisierte Mobilität 2019–2022“ im Kontext der Verkehrssicherheit um.

Das Projekt umfasst insgesamt fünf Studien entlang verschiedener Themenbereiche:

 

Grafische Übersicht der fünf Studien, die im Text erläutert werden

 

Ein besonderer Fokus liegt dabei nicht nur auf automatisierten Systemen der Stufen 3 und 4, sondern vor allem auf bereits heute weit verbreiteten Fahrassistenzsystemen (FAS) und teilautomatisierten Systemen der Stufen 1 und 2. Die Verbreitung solcher Systeme hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Mit der EU-Verordnung 2019/2144 wurden bestimmte Fahrassistenzsysteme verpflichtend eingeführt. Dazu zählen unter anderem der intelligente Geschwindigkeitsassistent und Notbremsassistenzsysteme.

Erweiterte Vorgaben seit Juli 2026

Seit 2022 gelten die Vorgaben für neue Fahrzeugtypen, seit 2024 für alle neu zugelassenen Fahrzeuge. Mit dem Inkrafttreten weiterer Vorgaben am 7. Juli 2026 wurde der verpflichtende Umfang an Fahrassistenzsystemen für neu zugelassene Pkw und leichte Nutzfahrzeuge erneut erweitert. Neu vorgeschrieben sind unter anderem ein erweitertes Notbremsassistenzsystem mit Erkennung von Fußgänger:innen und Radfahrenden, ein Ablenkungs- und Konzentrationswarnsystem sowie ein Notfall-Spurhalteassistent. Um das Potenzial dieser Systeme vollständig auszuschöpfen, sind jedoch ein korrektes Verständnis sowie eine sachgerechte Anwendung durch die Nutzer:innen entscheidend.

Potenziale erstmals für Österreich berechnet

Für Österreich wurden im Rahmen der Studie D erstmals spezifische Unfallreduktionspotenziale und volkswirtschaftliche Wertschöpfungspotenziale von Fahrassistenzsystemen berechnet. Grundlage bildeten die amtliche Verkehrsunfallstatistik, eine umfangreiche Literaturrecherche sowie Inputs von Expert:innen im Rahmen von Workshops. Mithilfe verschiedener Szenarien, die unterschiedliche Annahmen zu Marktdurchdringung und Nutzungsgrad berücksichtigen, wurden die Unfallreduktionspotenziale einzelner Systeme sowie deren monetäre Auswirkungen ermittelt. Dabei kam die Methodik der Unfallkostenrechnung Straße zum Einsatz.

Die Ergebnisse zeigen, dass alle neun untersuchten Fahrassistenzsysteme einen positiven Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten können. Das größte Potenzial weist das Fahrassistenzsystem „Warnung/Bremsung vor Hindernissen“ auf, das bis zum Jahr 2040 ein Reduktionspotenzial von 24 % aller Verkehrsunfälle in Österreich erreichen könnte. Die daraus resultierenden volkswirtschaftlichen Einsparungen liegen - abhängig vom jeweiligen Fahrassistenzsystem - zwischen 56 Mio. € und 4 Mrd. €. Besonders hohe monetäre Effekte werden für die Fahrassistenzsysteme „Warnung/Bremsung vor Hindernissen“, „Spurhalte-/Spurverlassensassistenz“ sowie den intelligenten Geschwindigkeitsassistenten prognostiziert.

Mit der zunehmenden Automatisierung im Straßenverkehr verändern sich nicht nur technologische, sondern auch soziologische und rechtliche Rahmenbedingungen. Studie C widmet sich vor allem neuen Qualitätsparametern von Menschen im Straßenverkehr, zukünftigen Vertrauensgrundsätzen sowie Anforderungen an Informations-, Ausbildungs- und Vermittlungskonzepte.

Nutzung von Fahrassistenzsystemen im Praxistext

Neben umfassender Literaturrecherche wurden Interviews mit Nutzer:innen sowie Expert:innen und Stakeholdern durchgeführt. Aufbauend darauf testeten 20 Proband:innen auf der Teststrecke von Digitrans in St. Valentin verschiedene Fahrassistenzsysteme. Untersucht wurden dabei die Verständlichkeit, Bedienung und Anwendung von Systemen zur Längsführung, Querführung sowie unterschiedlicher Human-Machine-Interfaces bei Navigationssystemen. Zum Einsatz kamen unter anderem die Fahrassistenzsysteme „Adaptive Cruise Control“, „Intelligent Speed Assistant“, „Notfall-Spurhalteassistent“ und „Lane Centering Assist“.

 

Informationsbedarf bleibt hoch

Ergänzend dazu wurde eine österreichweit repräsentative Befragung mit 1.025 Personen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich 31 % der Österreicher:innen schlecht über Fahrassistenzsysteme informiert fühlen. Gleichzeitig sind viele Fahrassistenzsysteme weniger als der Hälfte der Bevölkerung bekannt und werden daher zu einem noch geringeren Anteil genutzt. Vor diesem Hintergrund spricht sich die Mehrheit der Befragten dafür aus, Fahrassistenzsysteme sowie automatisierte Systeme höherer Stufen stärker in die Fahrausbildung zu integrieren. Ebenso besteht breite Zustimmung dazu, dass die öffentliche Hand künftig umfassender über Möglichkeiten und Grenzen der zunehmenden Automatisierung im Straßenverkehr informieren soll.

Zusätzlich begleitete Studie E österreichische Leitprojekte, Testumgebungen und Forschungsprojekte im Bereich automatisierter Mobilität. Dabei wurden aktuelle Entwicklungen zu Verkehrssicherheit und Mensch-Maschine-Interaktion (MMI) analysiert sowie weiterer Forschungsbedarf identifiziert. Ferner konnte im Rahmen einer Veranstaltungsreihe ein reger Austausch zwischen den Projekten und Testumgebungen ermöglicht werden, was zu einem breiten Systemnutzen zum besseren Verständnis von Mensch-Maschine-Interaktionen im Sinne der Verkehrssicherheit führte.

Empfehlungen für Forschung und Praxis

Auf Basis der Projektergebnisse wurde ein umfassender Empfehlungskatalog entwickelt, der Maßnahmen zur besseren Ausschöpfung des Unfallreduktionspotenzials von Fahrassistenzsystemen bündelt und Forschungsbedarf aufzeigt.

Dazu zählen Informations- und Bewusstseinsbildungsmaßnahmen, aber auch eine stärkere Integration von Fahrassistenzsystemen und automatisierten Systemen höherer Stufen in die Fahrausbildung. Mit der EU General Safety Regulation und der 4. EU-Führerscheinrichtlinie von 2025 wurden hierfür wichtige Rahmenbedingungen geschaffen. Letztere sieht vor, dass Fahrzeugführer:innen künftig ausreichende Kenntnisse über die Nutzung fortschrittlicher Fahrassistenzsysteme und automatisierter Fahrsysteme aufweisen müssen. Ebenfalls im Fokus der Empfehlungen steht der Aufbau einer verbesserten Datengrundlage für die Unfallforschung und die entsprechende Auswertung der erhobenen Daten.

Erfolgsfaktoren für den sicheren Einsatz

Die Ergebnisse des Projekts verdeutlichen insgesamt, dass Fahrassistenzsysteme und automatisierte Mobilität erhebliche Potenziale zur Verbesserung der Verkehrssicherheit bieten. Gleichzeitig machen die Untersuchungen deutlich, dass diese Potenziale nur dann vollständig ausgeschöpft werden können, wenn technische Innovationen mit verständlichen Human-Machine-Interfaces, zielgerichteten Informationsmaßnahmen sowie einer entsprechenden Aus- und Weiterbildung der Nutzer:innen einhergehen.

In Kooperation mit: AIT Austrian Institute of Technology, HERRY Consult GmbH, Technische Universität Graz, FACTUM - apptec Ventures GmbH