23.04.2026
Impulse zu Shared Mobility, visionsbasierter Verkehrsplanung und Güterverkehrsdaten.
Die diesjährige Mobilitätskonferenz stand im Zeichen der Multimodalität und beleuchtete, wie diese das Mobilitätssystem sicherer, effizienter und attraktiver macht. AustriaTech gestaltete die Konferenz in drei unterschiedlichen Formaten aktiv mit. Im Zentrum standen dabei der fachliche Austausch zu Shared Mobility, neue Ansätze der Verkehrsplanung und aktuelle Erkenntnisse zum alpenquerenden Güterverkehr.
In der Dialogsession „Smart, geteilt, erreichbar unterwegs“ diskutierte Geschäftsführer Martin Russ gemeinsam mit Verena Seethaler-Steidl (Verkehrsverbund Vorarlberg) und Aurelia Kammerhofer (Technische Universität Wien) die Rolle von Shared Mobility für zukunftsfähige Mobilitätssysteme.
In der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Sharing-Ansätze nur dann einen nachhaltigen Beitrag zu einem zukunftsfähigen Verkehrssystem leisten können, wenn sie als integrierter Bestandteil eines Gesamtsystems gedacht werden. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, dass sich Sharing-Angebote nicht an klar abgegrenzte Zielgruppen richten, sondern eine breite und heterogene Nutzerbasis erreichen müssen.

Geschäftsführer Martin Russ gibt einen Impulsvortrag © AustriaTech
Entscheidend ist daher, dass die Angebote aus Nutzersicht attraktiv, verständlich und einfach zugänglich gestaltet sind. Verena Seethaler-Steidl, Smart-Mobility-Projektleiterin beim Verkehrsverbund Vorarlberg, präsentierte mit „VMOBIL“ ein Beispiel, das genau diesen Anspruch verfolgt und zeigt, wie integrierte Tarif- und Angebotsstrukturen die Nutzung erleichtern können.
Damit solche Systeme im Alltag tatsächlich angenommen werden, reicht ein gutes Angebot allein jedoch nicht aus. Ebenso wichtig ist eine hohe Sichtbarkeit – sowohl im öffentlichen Raum als auch in digitalen Anwendungen. Nur wenn Sharing-Optionen leicht auffindbar und niederschwellig nutzbar sind, können sie sich im Mobilitätsverhalten der Nutzer:innen verankern. Der Wechsel hin zu Sharing-Modellen erfordert somit auch eine aktive Verhaltensänderung, die durch gezielte Push- und Pull-Maßnahmen unterstützt werden muss.
Gleichzeitig zeigen sich insbesondere im ländlichen Raum strukturelle Grenzen: Hier sind Sharing-Konzepte häufig wirtschaftlich schwer tragfähig und auf öffentliche Unterstützung angewiesen, wie Russ betont. Daraus ergebe sich eine klare Schlussfolgerung; die erfolgreiche Umsetzung von Shared Mobility ist eng an politischen Gestaltungswillen geknüpft. Kammerhofer (TU) plädiert in diesem Zusammenhang für die Einrichtung einer nationalen Koordinationsstelle, um Entwicklung und Umsetzung stärker zu bündeln.
Wie können Zukunftsbilder einer lebenswerten und klimaneutralen Mobilität stärker in die Verkehrsplanung integriert werden? Diese Frage stand im Zentrum des Side-Events "Planen für eine lebenswerte Zukunft", das AustriaTech gemeinsam mit dem Center for Mobility Change (CMC) im Rahmen der Mobilitätskonferenz 2026 veranstaltete. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jannik Rieß (AustriaTech) und Markus Mailer (Universität Innsbruck).

Jannik Rieß, Experte der AustriaTech gibt Input © AustriaTech
Im Mittelpunkt stand die Rolle von Visionen als strategische Grundlage nachhaltiger Planungsprozesse. Deutlich wurde: Visionsbasierte Planung ist kein theoretisches Konzept, sondern ein zunehmend relevanter Ansatz, um Unsicherheiten in der Mobilitätsentwicklung aktiv zu adressieren und langfristige Zielbilder in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.
Rund 45 Teilnehmende aus Verwaltung, Forschung und Planung diskutierten, welche Erfolgsfaktoren und Hürden bei der Umsetzung visionsbasierter Ansätze bestehen und wie sich diese auf Gemeinden, Länder und den Bund übertragen lassen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Entwicklung solcher Zukunftsbilder durch partizipative Beteiligungsprozesse.

Teilnehmende diskutieren bei einer Break-Out-Session © AustriaTech
Praxisimpulse aus unterschiedlichen Planungsebenen ergänzten die Diskussion und zeigten, wie breit das Thema bereits verankert ist: Markus Mailer und Stefan Seer (CMC) stellten die Arbeitsweise, den Ansatz sowie Ergebnisse der ITF-Arbeitsgruppe „Vision-Led Transport Planning“ vor und gingen dabei insbesondere auf Monitoring und Evaluierung in der visionsgeleiteten Planung ein. Sarah Bittner-Krautsack (MA18) und Gerald Franz (UIV) gaben anhand der Strategielandschaft der Stadt Wien Einblicke in praxisnahe Ansätze kommunaler Mobilitätsplanung. Olivia Kantner (komobile) ergänzte Beispiele aus der Planungspraxis und stellte unter anderem den Masterplan Gehen in Wien vor.
Das Side-Event machte drei zentrale Erkenntnisse deutlich: Visionen müssen konsequent an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet sein und ihr Mehrwert klar kommuniziert werden. Anders als in der prognosebasierten Planung werden Unsicherheiten dabei nicht ausgeklammert, sondern aktiv in den Planungsprozess integriert.
Voraussetzung für ihre Wirksamkeit ist jedoch eine klare politische und institutionelle Verankerung. Sie entfalten ihre Wirkung insbesondere dann, wenn ein verbindlicher Rahmen besteht, der neben Zielen auch Nicht-Ziele definiert. Ebenso entscheidend sind ein konsistentes Narrativ sowie eine klare Kommunikation, um den Mehrwert der Vision sichtbar zu machen.
Für die erfolgreiche Umsetzung wurde zudem professionelles Stakeholder-Management als zentraler Erfolgsfaktor hervorgehoben.
Beim Side-Event „Evidenzbasierte Verkehrspolitik“ stellte Lucas Hübner-Weiß, Experte der AustriaTech, die alle fünf Jahre durchgeführte LKW-Erhebung zum alpinquerenden Güterverkehr (CAFT) vor.

Lucas Hübner-Weiß präsentiert Ergebnisse der CAFT © AustriaTech
Der methodische Ansatz umfasst den gesamten Prozess – von der sorgfältigen Vorbereitung über die Vor-Ort-Erhebung bis hin zur Nachbearbeitung. Ein mehrstufiger, iterativer Qualitätssicherungsprozess stellt dabei die hohe Verlässlichkeit der erhobenen Daten sicher. Auf Basis der Stichprobenergebnisse können anschließend belastbare Gesamtverkehrszahlen für das gesamte Jahr hochgerechnet werden.
Diese robuste und vertrauenswürdige Datengrundlage ermöglicht ein fundiertes Verständnis der Verkehrsströme und bildet damit eine zentrale Voraussetzung für eine strategische und evidenzbasierte Verkehrspolitik